Gemeinsam durch die kalte Jahreszeit

Weihnachtskonzerte – Kantorei Mittenwalde

Nach Konzertausfällen und Monaten ohne Proben machte sich die Regionalkantorei im brandenburgischen Mittenwalde an einen Chor-Neustart. Mit zahlreichen weiteren Sänger*innen und Musiker*innen, neuen Noten und einem Auftragswerk, finanziert durch eine IMPULS-Förderung, gingen im Dezember 2021 zwei Weihnachtskonzerte über die Bühne.

Ensemble / Organisation
Regionalkantorei Mittenwalde
Projekttitel
Adventskonzert 2021
Bundesland
Brandenburg
Fördersumme
4.122 EUR
Genre
Vokal
Social Media / Website
Märkische Allgemeine

Die Kirchenmusikerinnen Kathrin Hallmann und Christine Borleis haben ein besonderes Chorprojekt ins Leben gerufen: Zum 100. Todestag des Komponisten Camille Saint Saens treffen zwei Chöre auf ein Orchester, Solisten und Harfenklänge. […] Wie Ludwigsfeldes Kantorin Kathrin Hallmann erklärt, sind dafür der Ludwigsfelder Kirchenchor St. Michael und die Regionalkantorei Mittenwalde zusammengewachsen. […] Gemeinsam mit der Mittenwalder Kantorin Christine Borleis probt sie seit Januar mit den beiden Chören – und nicht nur das. Für die Adventskonzerte haben die beiden Kirchenmusikerinnen auch ein Orchester mit Harfe auf die Beine gestellt. Hinzu kommen Orgelklänge sowie Solistinnen und Solisten, die die beiden Chöre mit ihren Gesangseinlagen unterstützen.

Die letzte Chorprobe fand im Oktober 2020 statt, dann war es mit dem Singen erst einmal wieder vorbei. Der Regionalkantorei Mittenwalde in Brandenburg erging es wie nicht wenigen Chören und Ensembles in dieser Zeit. Ab Anfang 2021 organisierten die Verantwortlichen deshalb zur Überbrückung Onlineproben mit Hilfe von Konferenzsoftware, so gut das möglich war. Als Kantorin und Chorleiterin Christine Borleis vom IMPULS-Förderprogramm erfuhr, wollte sie diese Gelegenheit gleich nutzen. “Das war ganz komfortabel und wir waren wirklich gut beraten”, berichtet sie im Juli 2022 in einem Telefonat.

Der Chor mit etwa 25 Sänger*innen nahm sich für den angestrebten Neustart ein Weihnachtsrepertoire vor, mit dem “Oratorio de Noël” von Camille Saint-Saëns und “A Ceremony of Carols” von Benjamin Britten. Der Dresdner Kompositionsstudent Sebastian Cyliax erhielt außerdem den Auftrag für eine größere Komposition. Erst vor wenigen Jahren hatte er für ein kleineres Gesangsensemble aus dem Chor schon einmal etwas verfasst. Jetzt war der Auftrag ein Werk für Chor, Solo-Altistin, Harfe und Streichensemble auf der Basis des Chorals “O komm, o komm, du Morgenstern”. Für das Saint-Saëns-“Oratorio” wurden fünf Gesangssolist*innen eingeladen. Für das gesamte Konzertrepertoire kam neben insgesamt elf Streicher*innen und einer Harfe schließlich noch die Orgel zum Einsatz. Die Regionalkantorei arbeitete für dieses Vorhaben mit einem zweiten Chor, dem Kirchenchor St. Michael Ludwigsfelde mit Chorleiterin Kathrin Hallmann und etwa 30 Sänger*innen. Bereits in früheren Jahren hatten beide Chöre zusammen Repertoire vorbereitet und im Konzert präsentiert. Waren 2020 sowohl die Oster- als auch die Weihnachtskonzerte wegen der covidbedingten Einschränkungen ausgefallen, wollten die Chöre nun ein Repertoire für die Weihnachtszeit einstudieren.

 

Chöre, Musiker*innen und Solist*innen

Ab August 2021 wurden wieder Vor-Ort-Proben organisiert. Die Noten der neuen Kompositionen konnten teils aus dem IMPULS-Förderbudget finanziert werden, wurden teils aber auch von anderen Chören ausgeliehen. Sänger*innen, die nach Gehör üben wollten, erhielten eine entsprechende Übe-CD. Die eingeladenen Gesangssolist*innen und Musiker*innen waren Studierende, Musiklehrer*innen und Berufsmusiker*innen aus der Umgebung. Für sie standen durch die IMPULS-Förderung entsprechende Honorare zur Verfügung. Cyliax wurde für seine Auftragskomposition ebenfalls bezahlt. “Die Honorare waren der größte Batzen”, resümiert die Chorleiterin. Mit der größeren Besetzung mussten sich die Verantwortlichen erst einmal auseinandersetzen, konnten aber an viel bereits Vorhandenes anknüpfen. “Das war gut, dass wir auf bestehende Strukturen zurückgreifen konnten”, formuliert das die Kantorin. Es zeigte sich bald, dass an den Vor-Ort-Proben wieder mehr Sänger*innen teilnahmen als an den nur relativ sporadisch genutzten Onlinetreffen. Dass Ende Dezember in der St.-Moritz-Kirche Mittenwalde und im Klubhaus Ludwigsfelde zwei Konzerte stattfinden sollten, wurde von vielen als motivierend wahrgenommen. Einige neue Sänger*innen schlossen sich an, von denen zwei anschließend weiter im Chor blieben.

Ob die Konzerte am Ende wirklich würden stattfinden können, war allerdings lange Zeit nicht klar. Es erkrankten nach und nach wieder mehr Menschen an Covid, die mit der Pandemie verknüpften Einschränkungen wurden erneut verschärft. Die Kultur – sowohl der gesamte Bereich der Berufsmusik als auch alle Hobbymusiker*innen – sahen sich noch einmal mit Schließungen und Begrenzungen konfrontiert. “Das hing die ganze Zeit über der Veranstaltung”, so Chorleiterin Borleis. Der Dezember rückte nach mehreren Monaten Probenphase schließlich näher, die Hobbysänger*innen verteilten Flyer und Plakate, und am Ende fanden beide Konzerte dann wie vorgesehen statt. Einige hundert Gäste konnten jeweils unter 3-G-Bedingungen teilnehmen. Die Musiker*innen und Sänger*innen hielten sich ebenfalls an die 3-G-Vorgaben. Die Ensemblemusiker*innen setzten zusätzlich während der Konzerte medizinische Masken auf.

Auch sonst wirkte sich die Pandemie auf das Vorhaben aus, denn es war ein Neustart für viele, aber nicht für alle. Einige der früheren Chorsänger*innen, die Vorerkrankungen hatten oder schon älter waren, wollten sich einem Infektionsrisiko nicht aussetzen. Sie blieben vorsorglich zu Hause und nahmen von vornherein nicht an dem Vorhaben teil. Als es schließlich mit etwa 75 Teilnehmer*innen zu den Auftritten auf die Bühne ging, waren von den Teilnehmenden wiederum einige wegen Covid in Quarantäne und mussten sich erst einmal auskurieren. Selbst im Sommer 2022 bleiben einige im Chor weiter vorsichtig und nehmen nicht an den Proben teil.

Eine temperaturbedingte Neuerung hat sich die Regionalkantorei schließlich noch aus dem IMPULS-Förderprogramm finanziert: Im Winter erwies sich die St.-Moritz-Kirche als ein sehr kalter Ort für Proben und Konzerte, und so erhielten alle Sänger*innen eigens dafür eingekaufte Heizkissen. Die wurden seitdem intensiv eingesetzt und liegen bereits für die nächste kalte Jahreszeit bereit.

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